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Zwei von 39 abgedruckten Briefen aus Stalingrad (Nr. 29 und Nr. 12). Dem Nachwort des Verlages ist zu entnehmen, dass sie vom Januar 1943 - aus sieben Postsaecken der letzten Maschine aus dem Kessel - sind und dass Anschrift und Absender von der Heeresfeldpost-Pruefstelle entfernt wurden.

" 29

... Den Brief schreibt Axel fuer mich. Er heisst gar nicht Axel, sondern Lachmann und ist aus Koenigsberg. Aber wir nennen ihn Axel. Ich habe den Arm hoch und in dicke Binden gewickelt und kann darum nicht schreiben. Ich komme bald nach Hause, dieses sagte mir der Stabsarzt, und ich freue mich riesig. Am Arm fehlt ein kleines Stueckchen, das hat der Stabsarzt auch gesagt. Es ist nur so komisch, dass ich die Finger nicht bewegen kann. Als Gaertner gebrauche ich meine Finger aber. Die Erde hier ist sehr fett und weich, wir koennten sie in Lueneburg gut gebrauchen. Draussen liegt Schnee, man kann die Erde nicht sehen. Vor vier Tagen lag ich in einem Loch, das einen Meter tief war, und ich habe den ganzen Tag die Erde beobachtet, guter Weizenboden, natuerlich von Duenger keine Spur, die Steppe produziert ihren eigenen Duenger. In diesem Loch kriegte ich Angst. Heute lache ich darueber. Ich liege nicht bequem, aber wenn ich zuhause bin, dann werde ich noch viel mehr lachen. Und Ihr lacht alle mit mir. "

Bertelsmann, C. (Hrsg.): Letzte Briefe aus Stalingrad, Guetersloh 1954, S. 47

" 12

... So nun weisst Du es, dass ich nicht wiederkomme. Bringe es unseren Eltern schonend bei. Ich bin schwer erschuettert und zweifle sehr an allem. Einst war ich glaeubig und stark, jetzt bin ich klein und unglaeubig. Vieles, was hier vor sich geht, werde ich nicht erfahren; aber das wenige, das ich mitmache, ist schon so viel, dass ich es nicht schlucken kann. Mir kann man nicht einreden, dass die Kameraden mit dem Worte "Deutschland" oder "Heil Hitler" auf den Lippen starben. Gestorben wird, das laesst sich nicht leugnen; aber das letzte Wort gilt der Mutter oder dem Menschen, den man am liebsten hat, oder nur dem Ruf nach Hilfe. Ich habe schon Hunderte fallen und sterben gesehen und viele gehoeren wie ich der HJ an, aber sie haben alle, wenn sie noch konnten, um Hilfe gerufen oder nach einem Namen, der ihnen doch nicht helfen konnte. Der Fuehrer hat fest versprochen, uns hier herauszuhauen, das ist uns vorgelesen worden, und wir glaubten auch fest daran. Ich glaube es heute noch, weil ich doch an etwas glauben muss. Wenn das nicht wahr ist, woran sollte ich dann noch glauben? Dann brauchte ich auch keinen Fruehling und keinen Sommer mehr und nichts mehr, was Freude macht. Lass mir diesen Glauben, liebe Greta, ich habe mein ganzes Leben oder wenigstens acht Jahre davon immer an den Fuehrer und sein Wort geglaubt. Es ist entsetzlich, wie sie hier am Zweifeln sind, und beschaemend, die Worte zu hoeren, gegen die man nichts sagen kann, denn die Tatsachen sprechen fuer sie. Wenn es nicht wahr ist, was man uns versprach, dann wird Deutschland verloren sein, denn in diesem Fall kann kein Wort mehr gehalten werden. Oh, diese Zweifel, diese furchtbaren Zweifel, wenn sie doch bald behoben waeren! "

Bertelsmann, C. (Hrsg.): Letzte Briefe aus Stalingrad, Guetersloh 1954, S. 22f

 

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Last modified: 2010-02-01 back home